„Wer regiert das Geld?“ für internationalen Buchpreis nominiert

Heute erhielt ich die erfreuliche Nachricht, dass mein Buch „Wer regiert das Geld?“ in die Shortlist der „fünf herausragenden deutschsprachigen Titel“ für den getAbstract International Book Award 2016 aufgenommen wurde. Seit 2001 wird dieser Wirtschaftsbuchpreis jährlich an zwei deutsche und zwei englischsprachige Autoren verliehen. Ausgelobt wird der Preis von getAbstract, einem Schweizer Unternehmen, das sich auf Zusammenfassungen von Wirtschaftsbüchern spezialisiert hat und auch die Kernaussagen meines Buches bereits im Mai auf wenigen Seiten (gut) zusammengefasst hatte. Mitgründer des Unternehmens ist der Bestsellerautor Rolf Dobelli („Die Kunst des klaren Denkens“).

Die diesjährigen Preisträger werden am 19. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse gekürt. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten unter anderem Thomas Fricke, Ex-Chefökonom der Financial Times Deutschland, („Wie viel Bank braucht der Mensch?“, 2013), Christian Felber, Mitbegründer von Attac, („Geld – Die neuen Spielregeln“, 2014) und Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank („Die neue Ordnung des Geldes“, 2015).

Geldwissen jetzt auch im Bioladen

Das Magazin EVE hat mich zum „Mythos Geld“ interviewt. Dieses „Magazin für Naturkost und Naturkosmetik“ gehört zum Medienkonzern Gruner + Jahr, erscheint in einer Auflage von 500.000 Exemplaren und liegt deutschlandweit in etwa 3000 Bioläden kostenlos aus. Die Leserschaft besteht laut eigenen Angaben zu über 80 Prozent aus Frauen. Wie Geld funktioniert und wer es erzeugt, geht alle an – nicht nur die Leser von Wirtschaftszeitungen. Hier der Link zum Interview.

Wo die Macht im Staate liegt

Der Schweizer Journalist Christoph Pfluger, seit über 20 Jahren Verleger der spannenden Zeitschrift „Zeitpunkt“, empfiehlt mein Buch auf seinem Blog und meint:

Die Ereignisse seit Ausbruch der Finanzkrise haben das Bewusstsein für den Konflikt zwischen der legitimen, aber schwachen Macht der Demokratie und dem informellen, aber starken Einfluss der Geldinteressen etwas geschärft, aber noch nicht für seine Ursachen. Dazu leistet Paul Schreyers verständlich und flüssig geschriebenes Buch einen wichtigen Beitrag. Es zeigt: «Alle Entscheidungsgewalt und Souveränität einer Gesellschaft läuft auf zwei simple Fragen hinaus: Wer darf das Geld erschaffen? Und wer entscheidet über seine Verteilung?»

Pfluger ist selbst Autor eines empfehlenswerten aktuellen Buches zum Thema: „Das nächste Geld“.

 

Dunkle Verhältnisse

Der Journalist Walter van Rossum hat mich für die WDR 3-Buchsendung „Gutenbergs Welt“ interviewt. In seiner Anmoderation des 12-minütigen Gespräches heißt es:

Getragen von den Flügeln der Aufklärung gedeiht die Rhetorik der Expertise. Große Worte fallen unentwegt: der Mensch, die Liebe, das Bewusstsein, unsere Werte, die Freiheit – und so weiter. Doch was verstehen wir wirklich davon? Geld bestimmt den Lauf der Dinge. Aber was ist das eigentlich? Wo kommt das her? Und kaum denken wir darüber nach, wird es uns unheimlich. Und es wird noch unheimlicher werden, wenn man das Buch „Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung“ von Paul Schreyer liest. Über die dunkle Herkunft des Geldes spreche ich jetzt mich Paul Schreyer.

Hier kann man die Sendung vollständig anhören (das Interview beginnt in Minute 4).

Ein Leserhinweis und zwei Korrekturen

Ein leitender Manager einer Schweizer Bank hat mein Buch gelesen und einige Anmerkungen und Korrekturhinweise übermittelt. Der Basler Banker beschreibt das Buch als „sehr aufschlussreich, anschaulich, spannend und gut lesbar geschrieben“ und, nein, er arbeitet weder für die UBS, noch die Credit Suisse oder eine andere Großbank. Es ist wohl auch fraglich, ob ein Großmanager und „Master of the Universe“ im Vorstand einer der globalen Superbanken zwischen Meetings, Briefings und Dauerjetlag noch Zeit und Muße für das Lesen von Büchern findet. Wohl eher nicht.

Der Leser, der mir schrieb, arbeitet stattdessen für die sympathische kleine „Freie Gemeinschaftsbank“ und er hat mich aufmerksamerweise auf einen inhaltlichen Fehler und eine missverständliche Formulierung in meinem Buch hingewiesen. Auf Seite 39 habe ich versehentlich die Begriffe „Eigenkapital“ und „Mindestreserve“ verwechselt. Dort steht:

Ob die gesetzlich geregelte Eigenkapitalquote eingehalten wird, überprüft eine Bank nicht vor der Kreditvergabe, sondern umgekehrt – im Nachgang wird das (gesetzlich, nicht praktisch) benötigte Eigenkapital besorgt, zum Beispiel bei der Zentralbank, die sich solchen Bedürfnissen des Bankensektors am Ende auch noch nie verweigert hat.

Der Leser schreibt dazu richtigerweise:

„Sie sprechen von Basel III und den gesetzlichen Anforderungen an das Eigenkapital der Banken, meinen aber die Mindestreservevorschriften der Banken (die in der Fussnote 16 zitierten Quellen beziehen sich allesamt auf die Mindestreservevorschriften, nicht auf die Kapitalvorschriften!). Während eine Geschäftsbank die Mindestreserve als Guthaben auf ihrem Zentralbankkonto unterhalten muss und deren Bemessungsgrundlage das Volumen der Kundeneinlagen auf der Passivseite der Bilanz der Geschäftsbank ist, betreffen die Kapitalanforderungen gem. Basel III das bilanzielle Eigenkapital der Bank, das als Risikopolster für die im Aktivgeschäft (Kreditgeschäft u.a.) eingegangenen (Kredit-) Risiken fungiert. Wie ich Ihnen als für den Kreditbereich zuständiges Geschäftsleitungsmitglied einer kleinen Schweizer Genossenschaftsbank versichern kann, sind die Basel III-Kapitalanforderungen eine sehr reale Einschränkung der Kreditvergabe. Ein Engpass beim Eigenkapital kann (anders als bei den Mindestreserven) in keiner Weise durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank behoben werden (die Aufnahme von Zentralbankgeld ist erfolgsneutral, d.h. sie tangiert nicht das Eigenkapital der Bank). Die Bank kann Ihre Eigenkapitalverhälltnisse nur durch Gewinnthesaurierung (Innenfinanzierung) oder durch Aufnahme von Kapital (Aktien, Genossenschaftsanteile) am Markt (Aussenfinanzierung) verbessern.“

Ein wenig Wasser in diesen (wertvollen) Wein soll aber doch gegossen werden, denn die begrenzende Wirkung von gesetzlichen Eigenkapitalregeln auf die Vergabe von Krediten hängt in der Praxis stark von der Größe und Verflechtung einer Bank ab. Ein kleines genossenschaftliches Institut steht da tatsächlich vor hohen Hürden, während eine Großbank ihr Eigenkapital beispielsweise mittels Wertpapiergeschäften mit eigenen Offshore-Filialen in erheblichem Maße groß oder klein rechnen kann (siehe dazu das Buch „Geldschöpfung – Die verborgene Macht der Banken“ von Horst Seiffert).

Zum anderen kann Eigenkapital auch „künstlich produziert“ werden, wenn eine Bank einem Investor einen Kredit aus selbstgeschöpftem Geld vergibt, womit dieser Investor dann neu ausgegebene Aktien der Bank kauft – so geschehen etwa bei der britischen Barclays Bank 2008, wie in meinem Buch auf Seite 38 beschrieben, dort unter Verweis auf Erkenntnisse des in England lehrenden Ökonomen Richard Werner.

Der Schweizer Leser weist weiterhin richtigerweise auf eine missverständliche Formulierung zum Thema „Seigniorage“ in meinem Buch hin. So heißt es dort, wiederum auf Seite 38:

Mit dem Recht zur Geldschöpfung sind auch enorme Gewinne verbunden. Der Fachbegriff dafür lautet „Seigniorage“ und bezeichnet die Spanne zwischen dem Wert des geschöpften Geldes und seinen Herstellungskosten. Allein auf Deutschland bezogen geht es dabei um jährliche Gewinne im zweistelligen Milliardenbereich, im Euroraum insgesamt sogar um dreistellige Milliardenbeträge. Dieser riesige Geldschöpfungsgewinn ist einer der Gründe, weshalb sich der Bankensektor gegen jede Reform an dieser Stelle heftig wehren wird.

Liest man das, dann klingt es so, als bestehe der Geldschöpfungsgewinn der Banken in der Differenz zwischen dem Wert und den Herstellungskosten des Geldes. Das ist zwar tatsächlich die ursprüngliche Definition des Wortes „Seigniorage“ – jedoch ist bei der Giralgeldschöpfung der Banken die privat vereinnahmte Seigniorage letztlich ein Zinsgewinn, der dadurch entsteht, dass die Geldhäuser nur einen Bruchteil der von ihnen verliehenen Gelder wirklich finanzieren müssen. Joseph Huber, einer der Vordenker der Geldreformbewegung, meint dazu auf aktuelle Nachfrage des Autors:

Originäre Seigniorage (die Differenz zwischen Kaufkraft und Produktionskosten) entspricht dem Schlagschatz bei der früheren Inumlaufbringung von Münzen, indem die Münzen für Käufe oder andere Zahlungen ausgegeben wurden. Zins-Seigniorage, wie der Name sagt, bezieht sich zunächst auf die Zinsmarge der Zentralbanken aus ihrer Kreditvergabe (Ausleihen von Bargeld und Reserven) an Banken. Übertragen auf die Banken bedeutet es die Extra-Zinsmarge die Banken zusätzlich zur normalen Zinsmarge erzielen, indem die Banken nicht 100% der von ihnen geschaffenen Giroguthaben finanzieren müssen, sondern im Euro nur 2,5%. Der Seigniorage-ähnliche Vorteil der Banken besteht also in vermiedenen Finanzierungskosten (die Nichtbanken nicht vermeiden können).

Soweit also die Fakten und Korrekturen. Auf einige andere interessante Nachfragen des Lesers werde ich in einem separaten Blogbeitrag noch zu sprechen kommen. Vorab schon mal ein Dankeschön in die Schweiz!