Ein Leserhinweis und zwei Korrekturen

Ein leitender Manager einer Schweizer Bank hat mein Buch gelesen und einige Anmerkungen und Korrekturhinweise übermittelt. Der Basler Banker beschreibt das Buch als „sehr aufschlussreich, anschaulich, spannend und gut lesbar geschrieben“ und, nein, er arbeitet weder für die UBS, noch die Credit Suisse oder eine andere Großbank. Es ist wohl auch fraglich, ob ein Großmanager und „Master of the Universe“ im Vorstand einer der globalen Superbanken zwischen Meetings, Briefings und Dauerjetlag noch Zeit und Muße für das Lesen von Büchern findet. Wohl eher nicht.

Der Leser, der mir schrieb, arbeitet stattdessen für die sympathische kleine „Freie Gemeinschaftsbank“ und er hat mich aufmerksamerweise auf einen inhaltlichen Fehler und eine missverständliche Formulierung in meinem Buch hingewiesen. Auf Seite 39 habe ich versehentlich die Begriffe „Eigenkapital“ und „Mindestreserve“ verwechselt. Dort steht:

Ob die gesetzlich geregelte Eigenkapitalquote eingehalten wird, überprüft eine Bank nicht vor der Kreditvergabe, sondern umgekehrt – im Nachgang wird das (gesetzlich, nicht praktisch) benötigte Eigenkapital besorgt, zum Beispiel bei der Zentralbank, die sich solchen Bedürfnissen des Bankensektors am Ende auch noch nie verweigert hat.

Der Leser schreibt dazu richtigerweise:

„Sie sprechen von Basel III und den gesetzlichen Anforderungen an das Eigenkapital der Banken, meinen aber die Mindestreservevorschriften der Banken (die in der Fussnote 16 zitierten Quellen beziehen sich allesamt auf die Mindestreservevorschriften, nicht auf die Kapitalvorschriften!). Während eine Geschäftsbank die Mindestreserve als Guthaben auf ihrem Zentralbankkonto unterhalten muss und deren Bemessungsgrundlage das Volumen der Kundeneinlagen auf der Passivseite der Bilanz der Geschäftsbank ist, betreffen die Kapitalanforderungen gem. Basel III das bilanzielle Eigenkapital der Bank, das als Risikopolster für die im Aktivgeschäft (Kreditgeschäft u.a.) eingegangenen (Kredit-) Risiken fungiert. Wie ich Ihnen als für den Kreditbereich zuständiges Geschäftsleitungsmitglied einer kleinen Schweizer Genossenschaftsbank versichern kann, sind die Basel III-Kapitalanforderungen eine sehr reale Einschränkung der Kreditvergabe. Ein Engpass beim Eigenkapital kann (anders als bei den Mindestreserven) in keiner Weise durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank behoben werden (die Aufnahme von Zentralbankgeld ist erfolgsneutral, d.h. sie tangiert nicht das Eigenkapital der Bank). Die Bank kann Ihre Eigenkapitalverhälltnisse nur durch Gewinnthesaurierung (Innenfinanzierung) oder durch Aufnahme von Kapital (Aktien, Genossenschaftsanteile) am Markt (Aussenfinanzierung) verbessern.“

Ein wenig Wasser in diesen (wertvollen) Wein soll aber doch gegossen werden, denn die begrenzende Wirkung von gesetzlichen Eigenkapitalregeln auf die Vergabe von Krediten hängt in der Praxis stark von der Größe und Verflechtung einer Bank ab. Ein kleines genossenschaftliches Institut steht da tatsächlich vor hohen Hürden, während eine Großbank ihr Eigenkapital beispielsweise mittels Wertpapiergeschäften mit eigenen Offshore-Filialen in erheblichem Maße groß oder klein rechnen kann (siehe dazu das Buch „Geldschöpfung – Die verborgene Macht der Banken“ von Horst Seiffert).

Zum anderen kann Eigenkapital auch „künstlich produziert“ werden, wenn eine Bank einem Investor einen Kredit aus selbstgeschöpftem Geld vergibt, womit dieser Investor dann neu ausgegebene Aktien der Bank kauft – so geschehen etwa bei der britischen Barclays Bank 2008, wie in meinem Buch auf Seite 38 beschrieben, dort unter Verweis auf Erkenntnisse des in England lehrenden Ökonomen Richard Werner.

Der Schweizer Leser weist weiterhin richtigerweise auf eine missverständliche Formulierung zum Thema „Seigniorage“ in meinem Buch hin. So heißt es dort, wiederum auf Seite 38:

Mit dem Recht zur Geldschöpfung sind auch enorme Gewinne verbunden. Der Fachbegriff dafür lautet „Seigniorage“ und bezeichnet die Spanne zwischen dem Wert des geschöpften Geldes und seinen Herstellungskosten. Allein auf Deutschland bezogen geht es dabei um jährliche Gewinne im zweistelligen Milliardenbereich, im Euroraum insgesamt sogar um dreistellige Milliardenbeträge. Dieser riesige Geldschöpfungsgewinn ist einer der Gründe, weshalb sich der Bankensektor gegen jede Reform an dieser Stelle heftig wehren wird.

Liest man das, dann klingt es so, als bestehe der Geldschöpfungsgewinn der Banken in der Differenz zwischen dem Wert und den Herstellungskosten des Geldes. Das ist zwar tatsächlich die ursprüngliche Definition des Wortes „Seigniorage“ – jedoch ist bei der Giralgeldschöpfung der Banken die privat vereinnahmte Seigniorage letztlich ein Zinsgewinn, der dadurch entsteht, dass die Geldhäuser nur einen Bruchteil der von ihnen verliehenen Gelder wirklich finanzieren müssen. Joseph Huber, einer der Vordenker der Geldreformbewegung, meint dazu auf aktuelle Nachfrage des Autors:

Originäre Seigniorage (die Differenz zwischen Kaufkraft und Produktionskosten) entspricht dem Schlagschatz bei der früheren Inumlaufbringung von Münzen, indem die Münzen für Käufe oder andere Zahlungen ausgegeben wurden. Zins-Seigniorage, wie der Name sagt, bezieht sich zunächst auf die Zinsmarge der Zentralbanken aus ihrer Kreditvergabe (Ausleihen von Bargeld und Reserven) an Banken. Übertragen auf die Banken bedeutet es die Extra-Zinsmarge die Banken zusätzlich zur normalen Zinsmarge erzielen, indem die Banken nicht 100% der von ihnen geschaffenen Giroguthaben finanzieren müssen, sondern im Euro nur 2,5%. Der Seigniorage-ähnliche Vorteil der Banken besteht also in vermiedenen Finanzierungskosten (die Nichtbanken nicht vermeiden können).

Soweit also die Fakten und Korrekturen. Auf einige andere interessante Nachfragen des Lesers werde ich in einem separaten Blogbeitrag noch zu sprechen kommen. Vorab schon mal ein Dankeschön in die Schweiz!

Rezension beim ORF

Der österreichische Rundfunk hat eine ausführliche Rezension des Buches ausgestrahlt (Audiofile hier) und meint:

Paul Schreyer leistet in seinem Buch „Wer regiert das Geld“ Aufklärungsarbeit, indem er zeigt, dass auch private Banken Geld schaffen. (…) Schreyer zeigt u.a. in einem informativen historischen Rückblick, wie sich die Geldsysteme in den USA und in Deutschland entwickelt haben. Hier wird deutlich, dass das Bank- und Geldwesen ebenso wie die Rolle einer zentralen National- oder Notenbank stets das Ergebnis politischer Machtkämpfe darstellt. Auf der einen Seite kämpfen private Finanzinstitute um das Recht, Geld schöpfen zu können; auf der anderen Seite kämpfen Politiker, die die Geldschöpfung als hoheitliche Aufgabe verstehen, die demokratisch legitimiert sein soll. Und wie ist es heute in Europa? In einem Mischsystem stehen sich private Banken und Zentralbanken gegenüber. Sind Privatinteressen und die Interessen der Allgemeinheit also im Gleichgewicht? Keineswegs, findet Paul Schreyer. (…) Die Frage der Geldschöpfung spielt bei einer Reform des Finanzwesens eine zentrale Rolle. Wie Geldschöpfung funktioniert und wer welchen Nutzen daraus zieht, das macht Paul Schreyer in seinem Buch deutlich – keine geringe Leistung.

Das Geldphantasma

Im Neuen Deutschland ist diese Woche eine Rezension zum Buch erschienen (kompletter Text ohne Bezahlschranke hier). Darin heißt es:

Paul Schreyer leistet mit seinem neuen Buch »Wer regiert das Geld?« Aufklärungsarbeit. Er räumt auf mit falschen Vorstellungen über das moderne Geldsystem, die bis in Standardlehrbücher der VWL verbreitet sind. Eine komplizierte Materie, die der Autor jedoch sehr verständlich und gut lesbar vermittelt. Interessant seine historischen Ausführungen. Die Weltgeschichte wird gleichsam als Ringen um das Zepter über die Schöpfung des Geldes und deren Steuerung interpretiert.

Der Rezensent beschreibt treffend eines der weiterhin größten Probleme in der gesamten Debatte zum Thema: Die Mehrzahl der Menschen „wähnen sich in einem Geldsystem, das ein Phantasma ist“.

Lesetipp: „Der Weg in die totale Kontrolle“

Im folgenden Interview, das die Nachdenkseiten mit dem Journalisten Norbert Häring geführt haben, wird die derzeit laufende Kampagne gegen das Bargeld näher beleuchtet. Hier ein Auszug:

Nachdenkseiten: Herr Häring, die Bundesregierung will eine europaweite Obergrenze für Barzahlungen, die Europäische Zentralbank will den 500-Euro-Schein abschaffen. Als hätten Sie das geahnt, haben Sie ein Buch mit dem Titel „Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen: Der Weg in die totale Kontrolle“ geschrieben, das heute erschienen ist. Wie kam es dazu?

Häring: Vor 9 Monaten fand in London eine halb-geheime Konferenz der Schweizerischen Nationalbank zur Abschaffung des Bargelds aus geldpolitischen Gründen statt. Ich beschäftigte mich als Journalist mit den Hintergründen. Dabei wurde mir klar, dass es eine abgestimmte, weltweite Kampagne zur Verdrängung des Bargelds gibt, die mit Sicherheit auch Deutschland erreichen würde. Davor wollte und will ich warnen.

Zum vollständigen Interview

„Erklärt verständlich und treffend das Geldsystem“

Bei Amazon wurden inzwischen die ersten Leserrezensionen zu „Wer regiert das Geld?“ verfasst. Einer der Rezensenten dort ist Handelsblatt-Journalist Norbert Häring, selbst Buchautor zum Thema und ein ausgewiesener Kenner des Geldsystems. Er meint:

Der Autor nennt sein Buch auf dem Cover „Eine Reise ins Zentrum der Macht“. Das trifft es gut. Er erklärt verständlich und treffend das Geldsystem, in dem Banken im Großen und Ganzen alles umsonst bekommen, weil sie mit selbst gedrucktem Geld einkaufen können. Das hat man in letzter Zeit hier und da schon gelesen, aber er geht noch über das hinaus, was man kennt. Er erläutert auch, wie die verschiedenen Arten von Geld mit den Rechnungslegungsstandards zusammenhängen, beziehungsweise, wie sie von diesen verschleiert werden, und wer diese Standards setzt. Letztlich sind es wieder Banker. Auch ein gut durchdachtes Kapitel zu den Staatsschulden und ihren Haltern hat das Buch aufzuweisen. Besonders interessante sind die Kapitel über die amerikanische und besonders die deutsche Geldgeschichte. Dort lässt sich sehr schön nachlesen und erfassen, welche Interessengruppen über die Jahrzehnte am Geldsystem zogen und zerrten und so dafür sorgten, dass das öffentliche Interesse bei der Ausgestaltung nicht unbedingt die erste Rolle spielte.

Zur vollständigen Rezension, die auch auf dem Blog von Norbert Häring erschien, geht es hier. An dieser Stelle auch der Hinweis auf Härings soeben erschienenes wichtiges Buch „Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen“.

„Banken spielen eine Doppelrolle“

Die Ostsee-Zeitung führte zum Buch ein Interview mit mir, das in der Ausgabe vom 11. März veröffentlicht wurde. Hier ein Auszug daraus:

OZ: Henry Ford soll einmal gesagt haben, dass es gut sei, dass die Menschen das Geldsystem nicht verstünden, sonst hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh. Eine extreme Zuspitzung oder ist da wirklich was dran?

Schreyer: Über die Hintergründe des Geldsystems wird zumindest selten gesprochen. Den Satz von Ford hat übrigens Bundespräsident Gauck einmal auf einer Rede vor dem Bankenverband zitiert und damit Gelächter unter den versammelten Bankern geerntet. Es stimmt sicher, dass kaum jemand, auch unter den Politikern, das Geldsystem wirklich versteht.

OZ: Wie sind die modernen Banken eigentlich so mächtig geworden?

Schreyer: Banken spielen eine Doppelrolle: Sie erzeugen nicht nur einen großen Teil des Geldes, sondern sie entscheiden auch darüber, welche Personen, Firmen oder Staaten es dann geliehen bekommen und welche eben nicht. Außerdem betreiben sie unser aller Zahlungssystem, die Buchführung jedes einzelnen Girokontos. Damit sind wir alle abhängig von den Banken, denn ohne Girokonto kann man am modernen Leben kaum teilnehmen.

(…)

OZ: Warum verschuldet sich der Staat bei Privatbanken und verschafft sich nicht direkt Geld bei der Zentralbank? Ist das eine Form des Souveränitätsverzichts?

Schreyer: Praktisch schon. Der Staat macht sich abhängig. Das müsste er nicht, er könnte sich das Geld genauso gut bei der eigenen Zentralbank leihen. Deren Zinsgewinne und Profite würden dann wieder in den öffentlichen Haushalt fließen – Private könnten also nicht jedes Jahr Milliarden abzweigen, so wie heute.

Zum vollständigen Interview geht es hier (JPG-Datei).